PNP 15.01.26: Ein Haus voller Möglichkeiten

16. Januar 2026

Burghauser diskutieren die Nutzung des ehemaligen Krankenhausgebäudes

PNP15.01.26
Burghausen. Ein Hospiz, Angebote für Kinder, betreutes Wohnen, ein Hausärztestützpunkt. Die Ideen der Burghauser und des SPD-Bürgermeisterkandidaten Florian Schneider, wie das Klinikgebäude mit Leben gefüllt werden könnte, sind vielfältig.
Die Informationsveranstaltung im Foyer des ehemaligen Krankenhausgebäudes fand im Rahmen des Wahlkampfs der Burghauser SPD statt, für die Amtsinhaber Florian Schneider am 8. März erneut als Bürgermeisterkandidat antritt. Eines der Hauptthemen der SPD ist die Gesundheitsversorgung in Burghausen und so organisierte sie einen Abend zu dem Thema, der enormen Zuspruch erfuhr. Zahlreiche Burghauser waren trotz Eisregens gekommen, lauschten den Vorträgen und brachten Vorschläge ein.
Zunächst stellten die aktuellen Nutzer des Gebäudes ihre Teams vor: Dr. Martin Feuchtenberger, Rheumatologe in der Gemeinschaftspraxis Med Bayern Ost (MVZ), einer Tochter des InnKlinikums; Dr. Michael Gerstorfer, Betreiber der Praxis für Gefäßchirurgie; Prof. Dr. Philipp Bäumer von der „dia.log“-Radiologie, die ebenfalls einen Standort im Burghauser Gebäude hat, und Reinhard Pillris, stellvertretender Kreisgeschäftsführer des BRK, das zum Jahreswechsel die Kurzzeitpflege im Haus übernommen hat.
Feuchtenberger sprach von 20000 Behandlungsfällen pro Jahr am Burghauser Standort. Er schätze die enge Zusammenarbeit, die dort mit dem InnKlinikum möglich sei. Diese enge Verzahnung sieht er, gerade beim Trend zur Ambulantisierung, als Modell für die Zukunft. Dr. Gerstorfer sprach von 7000 Patienten, die in seiner Klinik im vergangenen Jahr behandelt wurden, und von 2400 Operationen, die in Burghausen durchgeführt wurden. Er betonte sein Engagement im Bereich Notfallversorgung. „Wir versorgen auch Platz- und Schürfwunden“, sagte er im Hinblick auf die Diskussion von vor ein paar Monaten, in der behauptet worden war, so etwas werde in Burghausen nicht mehr behandelt. Ein Problem habe er jedoch: „Wir brauchen dringend einen dritten Chirurgen.“ Dann könne man diese Versorgung auch montags und freitags, wenn Gerstorfer in der Außenstelle in Eggenfelden ist, anbieten. Sein Fazit: „Wir sind froh, dass wir hier sein dürfen und bleiben gerne hier.“ Prof. Bäumer schätzt die kurzen Wege hier, den Austausch mit den Kollegen und auch die gute Parkplatzsituation. „Wir haben eine freundschaftliche und nette Atmosphäre.“ Reinhard Pillris berichtete, dass die Kurzzeitpflege unter der Regie des BRK gut angelaufen sei. „Es war ein recht unspektakulärer Trägerwechsel.“ Alle Mitarbeiter des vorherigen Betreibers konnten übernommen werden und bald sollen Räume im Erdgeschoss dazukommen, um 39 Plätze anbieten zu können. „Vielleicht entsteht in absehbarer Zeit das eine oder andere. Wir hätten noch Ideen“, kündigte Pillris an. Ideen hat auch Florian Schneider. Er präsentierte ein Schaubild mit einem Schwerpunkt auf ambulante Medizin. Neben den bestehenden Angeboten wünscht er sich unter anderem ein hausärztliches MVZ mit Notfallsprechstunde und einen Kinderarztsitz, wobei der schwer zu bekommen ist. Neben der Kurzzeitpflege könne er sich ein betreutes Wohnen und einen ambulanten Pflegestützpunkt mit Beratungsangeboten vorstellen. Darüber hinaus schweben im vor: eine Apotheke, ein Sanitätshaus, die Nutzung der großen Küche im Untergeschoss und eine heilpädagogische Tagesstätte. Die Gespräche seien am Laufen, die Trägerschaft könne der Bezirk übernehmen, den Betrieb das BRK. Per Erbpacht solle die Stadt Zugriff auf das Gebäude erhalten, da ein Kauf finanziell nicht darstellbar sei. Die Stadt wiederum werde es an die Nutzer weitervermieten und könne dadurch bei der Ausrichtung mitbestimmen.
Warum es das Engagement der Stadt braucht, ob das nicht auch der Landkreis kann, war Inhalt mehrerer Nachfragen der Besucher. „Wir sind als Kommune näher dran am Bürger“, argumentierte Schneider. Dr. Gerstorfer ergänzte: „Das InnKlinikum interessiert sich für dieses Haus nicht mehr.“ Er stehe, obwohl CSU-Kreisrat, hinter den Plänen des SPD-Bürgermeisters. Genauso übrigens Altbürgermeister Hans Steindl, der seine Erinnerungen an den Bürgerentscheid vor gut zehn Jahren teilte. Vieles, das heute geplant ist, habe er schon damals vorgeschlagen, sagte er. Ein Zuhörer befürchtete, dass auf die Stadt hohe Kosten, gerade in Sachen Nebenkosten, zukommen. Schneider: „Hier lässt sich eine Lösung finden.“ Eine Zuhörerin fragte, ob ein Hospiz angesiedelt werden kann. Schneider und Pillris begrüßten den Vorschlag, allerdings werde man keine Genehmigung bekommen, da laut Statistik der Bedarf nicht gegeben sei. Eben habe in Pfarrkirchen ein neues Hospiz eröffnet.
−jor

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